Stress im Home-Office!? Wie die Belastung zur Entlastung für Beschäftigte gelingen kann

Aktualisiert: 4. Aug. 2021

Home-Office und Mobiles Arbeiten waren ein Segen im Corona-Jahr 2020. Dennoch gibt es auch eine Schattenseite. Die neuen Verhältnisse verursachen mitunter Stress. Wie gehen Unternehmer und Entscheider damit um?

Klare Regelungen und partizipative Ansätze von Seiten des Arbeitgebers helfen Stress zu minimieren. Doch dafür braucht es ein professionelles BGM im Unternehmen.

Aus den neuesten Zahlen des DAK-Gesundheitsreports, geht aktuell hervor, das die Zahl der Krankheitstage insgesamt, im ersten Halbjahr 2021, gesunken ist. Beschäftigte waren 22 Prozent weniger oft krank als im Vorjahreszeitraum. Andersherum haben die Fehlzeiten wegen psychischen Erkrankungen einen neuen Höchststand erreicht.

Durch die Hygiene- und Abstandsmaßnahmen gehen die Atemwegserkrankungen deutlich zurück. Gleichzeitig steigen jedoch vielerorts die Anforderungen an Beschäftigte, was einerseits zu Beschwerden am Bewegungsapparat, andererseits zu einer erhöhten Stressbelastung führt. Die neuen Rahmenbedingungen und die Regelungen des Gesundheitsschutz diesbezüglich sind Phänomene, die Einfluss auf das Stresserleben bei Beschäftigten haben können.


Wie ein professionelles BGM gegen Stress bei Beschäftigten im Home-Office vorbeugen und unterstützen kann, wird in diesem Artikel beschrieben.


Frauen sind aktuell häufiger betroffen als männer


Die Nummer eins bei den Gründen für AU-Tage in den Unternehmen sind weiter Rückenleiden oder andere Muskel-Skelett-Probleme (24,9 %), wie die DAK kürzlich berichtet (Quelle: Weniger Atemwegserkrankungen: Krankenstand bei Beschäftigten sinkt deutlich (iges.com)). Ursachen liegen zum Beispiel im weit verbreiteten Bewegungsmangel von Büromitarbeitern, oft auch im Home-Office, und einen sitzenden Lebensstil im Allgemeinen.


Direkt danach kommt mit 19,8 Prozent jedoch Arbeitsunfähigkeit durch psychische Belastungen (ein Anstieg um gut 3 % zum Vorjahr). Ein Merkmal psychischer Erkrankungen: Die Erkrankungsdauer von durchschnittlich 40 Tagen belastet nicht nur die Betroffenen, sondern auch die Unternehmen deutlich.

Bei Frauen beobachtet man leider aktuell, dass sie bis zu 70 Prozent mehr Fehltage wegen psychischer Erkrankungen vorweisen, als Männer.


Frauen geben dabei häufiger an durch die Corona-Pandemie psychisch belastet zu sein, als es die Männer tun. Ein Grund könnte sein, dass Frauen allgemein öfter gesundheitliche Beschwerden mitteilen, als Männer. Bei Männern gilt oft noch der alte Leitspruch "Was Dich nicht umbringt, macht Dich nur härter".

Außerdem erleben Frauen häufig noch deutlicher die Doppelbelastung durch die Herausforderung der Vereinbarkeit von Beruf und Familie. Jede zweite Frau hat aus diesem Grund bereits mindestens einmal ihre Karrierewünsche aufgeben oder ändern müssen. (Quelle: Pressemitteilung (bertelsmann-stiftung.de))


Home-Office: EIn zweischneidiges Schwert


Krankheitsbedingte Fehltage sind gerade bei Berufsgruppen, die von zu Hause aus arbeiten können auf dem Rückmarsch. Berufe in Recht- und Verwaltungsorganisationen zeigen zum Beispiel aktuell einen deutlichen Rückgang von durchschnittlich 24 Prozent weniger Fehltagen als im Vorjahreszeitraum.

Zugleich verzeichnet man bei Beschäftigten, die in der Verwaltung arbeiten, verstärkt das Thema Stress am Arbeitsplatz – mit Folgen für ihre psychische Gesundheit (Quelle: INQA.de - Initiative Neue Qualität der Arbeit - Arbeiten in der Verwaltung: So bleibt Ihr Team gesund).


Die psychische Belastung Berufstätiger in Deutschland ist nach Angaben der Kaufmänni­schen Krankenkasse KKH im zweiten Jahr der Coronapandemie weiterhin hoch. Beschäftigte sind leider immer häufiger wegen Depressionen, Angststörungen und Burnout krankgeschrieben.


Die coronabedingte Wirtschaftskrise produziert weiterhin bei vielen Menschen Existenzängste, ein Gefühl der Unsicherheit und des Kontrollverlusts. Das Home-Office bringt uns zudem neue Stressoren: Arbeit und Privatleben können im Home-Office immer schlechter voneinander getrennt werden. Außerdem entsteht Unsicherheit, gegenüber den Anforderungen die New Work und Co. mit sich bringen. Leider werden auch Zeitmanagement und aktive Pausen im Home-Office oft vernachlässigt. (Quelle: IAG Report 2/2019 Arbeitszeit sicher und gesund gestalten | DGUV Publikationen)


Hybrides Arbeiten - die Zukunft!?


Aus meiner Sicht ist und kann das Home-Office langfristig ein geeignetes Arbeitsmodell für viele Branchen sein, allerdings nur wenn die Rahmenbedingungen für ein sicheres, produktives und gesundes Arbeiten vom Unternehmen bereit gestellt werden. Dazu gehört übrigens genauso eine gewisse Planungssicherheit für die Unternehmen.


Seit dem 01.07.2021ist die "Home-Office Pflicht" aufgehoben und Unternehmen müssen nun eigenständig entscheiden, wie und vor allem wo sie Ihre Mitarbeiter beschäftigen wollen. Die Verantwortlichen sollten nun schnellstmöglich einen mittel- und langfristigen Plan aufstellen, der sich damit auseinandersetzt, wie man sich zukünftig aufstellen möchte. Aktuell zumindest suchen die Menschen wieder häufiger sozialen Kontakt im Büro. Allerdings gibt es auch Branchen, wie in der IT, Finanzen und Management sowie bei Marketing, Kommunikation und allgemeiner Verwaltung, wo das Home-Office weiter eine dominierende Rolle spielen wird. Der "Change" hat also bereits eingesetzt..


Das Zeitalter des Hybriden Arbeitens ist eingeleitet. Der Begriff remote work, der fälschlicherweise oft mit dem Begriff Home-Office gleichgesetzt wird, bringt die Chancen eines Hybriden Arbeitsmodells gut auf den Punkt. Die Arbeit aus der Ferne, der "remote Arbeitsplatz", kann dabei ein Co-Working Space, ein Café oder der Schreibtisch in den eigenen vier Wänden sein. Der Arbeitgeber bietet also Möglichkeiten der remote Arbeit mit der Option einer physischen Anlaufstelle - des Büros. Die Büroräumlichkeiten fungiert dabei nicht mehr als Hauptarbeitsplatz, sondern eher als soziale Anlaufstelle für das global verstreute Team. Physische Meetings, der persönliche und kreative Austausch und Teambuilding stehen im Mittelpunkt der Bürokonzepte der Zukunft. Und das Beste dabei ist, die Mitarbeiter können selbst wählen, ob und wie sie die Möglichkeiten für sich einsetzen.


Klare Position beziehen - Prävention statt Reaktion


Zur Vermeidung negativer gesundheitlicher Folgen für Mitarbeiter gibt es verschiedene Präventionsmaßnahmen. Bei jeder Präventionsmaßnahme sollte man sich jedoch zuvor fragen, mit welcher Zielgruppe man es zu tun hat. Das Home-Office beispielsweise birgt andere Anforderungen an die Prävention, als beispielsweise mobiles Arbeite oder Co-Working. Aber auch die einzelnen Lebensumstände der Beschäftigten sind unbedingt zu berücksichtigen. Das ist BGM in Reinform. Ein neuer, oft noch unberücksichtigter Aspekt ist, dass nur eine klare Position, eine Entscheidung für oder auch gegen ein Arbeitsmodell, auf lange Sicht Planungssicherheit bringt.


Dasselbe gilt übrigens für das Thema Stressmanagement. Nichts ist schlimmer als Unsicherheit in Bezug auf unsere körperliche Stressantwort. Mitarbeiter erleben aktuell ein Hin und Her, ein Auf und Ab in Sachen Arbeitsbewältigung. Erst der totale Wechsel durch den Ausbruch der Pandemie, dann die Verpflichtung zum Home-Office, mit all Ihren Vor- und Nachteilen und jetzt die Auflösung mit weiteren Unbekannten in der Gleichung. Das macht Stress! Nicht nur bei den Entscheidern, sondern genauso bei den Mitarbeitern eines Unternehmens.


Deshalb wäre mein Appell an der Stelle, so schnell wie möglich Klarheit zu schaffen. Hier kann ein begleitender BGM-Prozess sehr hilfreich sein. Nicht jeder Mitarbeiter begrüßt es, wieder an seinen alten Arbeitsplatz zu kommen, Andere können es gar nicht abwarten und wieder Andere wünschen sich ein Hybrid-Modell für Ihr Schaffen. Eine Umfrage von tagesschau.de unter zehn DAX-Unternehmen zeigt eindrucksvoll, das alte Modell hat ausgedient. Flexible und hybride Arbeitsmodelle, also eine Kombination aus Homeoffice und Anwesenheitszeiten im Büro, werden von den Beschäftigten in der Regel bevorzugt. Klar ist dabei, dass es eine einheitliche Regelung für Hybridlösungen, wegen der unterschiedlichen Arbeitsbereichen aber nicht geben wird.


2 Tipps aus der BGM Perspektive


1) Die eigene Position klären

In Punkto Home Office und mobilem Arbeiten, sollte sich jedes Unternehmen, besser heute als morgen, einen auf Ihre Mitarbeiter abgestimmten Plan machen. Keine einfache Sache in Pandemie-Zeiten. Ein erster Schritt ist hier aber die Kommunikation mit den Beschäftigten, um ein Stimmungsbild zu gewinnen. Dazu gehört ebenfalls ein passendes Risikomanagement durchzuführen, welches die Szenarien und Ihre Auswirkungen innerhalb eines solchen Projektes darstellt.

Ein klares Bekenntnis der Geschäftsführung zu den Herausforderungen New Work und Gesundheit 4.0, zum Beispiel mittels Betriebsvereinbarung oder Verfassen einer gesundheitsbezogenen Unternehmensphilosophie, wäre die Kür des Ganzen. Ein solches Vorgehen wäre nicht nur professionell, sondern ebenso nachhaltig.


Mit anderen Worten, Gesundheitsförderung muss ein betriebliches Querschnittthema (genau wie z. B. Wirtschaftlichkeit, Rechtskonformität oder Qualität) werden, dass weit nach oben auf der Prioritätenliste gehört. In diesem Sinn wird das Thema eine Selbstverständlichkeit, dass regelmäßig auf die Agenda der Geschäftsleitung gehört. Was mich auch direkt zu meinem zweiten Tipp führt..


2) Betriebliches Gesundheitsmanagement (BGM) muss Chefsache werden

BGM, wozu auch die Frage der Arbeitsorganisation und die Verhältnisprävention zählen, sollte zur Chefsache erklärt werden. Dies wirkt sich positiv auf die Arbeitsmotivation und Arbeitszufriedenheit der Beschäftigten aus, was wiederum zur Prävention gegen Stress bei den Beschäftigten beiträgt. Natürlich kann der Unternehmer das Thema an einen Gesundheitsmanager oder anderen Akteur delegieren, es kommt an der Stelle aber auf das ausgesendete Signal an.


Nicht zuletzt sollten Gesundheitsthemen in möglichst viele Strukturen und Prozesse integriert werden. Das bedeutet BGM wird immer mehr zum strategischen Ansatz im Unternehmen. Ganzheitlich ausgeführt, mündet gutes Gesundheitsmanagement dann auch in Unternehmenserfolg. Je klarer hier die Position des Unternehmens, seiner Führungskräfte und Mitarbeiter ist, desto schneller und eindeutiger werden Erfolge der Firma sichtbar. Und zwar auf ganzer Linie, denn gesunde Mitarbeiter sind produktive Mitarbeiter!


 

Allen Unternehmern, Akteuren und Betroffenen wünsche ich viel Erfolg!


Alles Gute!


Ihr Christian Kollitsch


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